Samstag, 30. März 2013

Die Gefahr Feuer bannen



Am 22. März 2013 passierte das Unfassbare: Gegen 15.30 Uhr lokaler Zeit entfachte im Flüchtlingscamp Ban Mae Surin in der Nähe von Mae Hong Son im Norden Thailands ein Feuer. Innerhalb kürzester Zeit brannten zwei Sektionen des Camps bis auf Schutt und Asche nieder. Rund 400 Häuser sowie diverse Einrichtungen wie Krankenstationen, NGO Büros oder Schulen wurden zerstört, 2300 Menschen sind obdachlos und rund 35 Menschen starben bei der Katastrophe. Im Moment ist Trockenzeit in Thailand, „Hot season“.
Das Feuer wütet - 22. März BMS Camp
 Die Temperaturen steigen, die Natur trocknet aus und es ist windiger als sonst. Ein Funke kann bereits eine solche Katastrophe auslösen. Die Hütten sind nur aus Bambusholz und die Dächer mit Blättern gedeckt. Um Katastrophen wie diese zu verhindern ist es wichtig, Wissen über Brandprävention und Feuerbekämpfung an die Flüchtlinge zu vermitteln. Es ist wichtig zu wissen, wie und wodurch Feuer entstehen kann. Das ist kein selbstverständliches Wissen! Außerdem ist es erforderlich zu vermitteln, wie im Falle eines Brandes im Camp zu handeln ist. Die Flüchtlingslager können weder schnell von der Feuerwehr erreicht werden, noch stehen in den Camps Feuerlöscher zur Verfügung. Aus diesen Gründen müssen die Menschen auf andere Löschmaterialien zurückgreifen. In zwei School Break Activities haben die Mitarbeiter von COERR in den letzten zwei Wochen versucht, Kindern und Jugendlichen die Gefahr von Feuern deutlicher zu machen. Welche Materialien sind brennbar? Und wie schnell entfacht ein Haufen trockener Blätter, wenn man eine noch glühende Zigarette darauf wirft? 
Alles in Schutt und Asche - BMS Camp nach dem Brand
Die Kinder und Jugendlichen stehen mit großen Augen vor dem Haufen und beobachten, wie  sich die Blätter in schwarze Asche verwandeln. Ein Effekt, der hoffentlich für mehr Aufmerksamkeit sorgen wird. Auf einer anschließend großen Wanderung quer durch das Camp suchen wir Brandquellen und versuchen, schnell brennbare Materialien aus dem Weg zu räumen. Doch im Prinzip ist das ein Kampf gegen Windmühlen – während der heißen Jahreszeit ist die Gefahr von Bränden kaum einschränkbar, sondern nur mit Aufmerksamkeit zu bannen. Auf unserer Wanderung kommen wir auch an sogenannten Mini Fire Fighting Stations vorbei. In einem kleinen Haus sind diverse Eimer und Werkzeuge zur Feuerbekämpfung untergebracht. Daneben ist ein großes Becken gebaut, welches ständig mit Wasser befüllt sein soll. Diese Stationen findet man in jeder Sektion des Camps. Trotz allen Versuchen, Brände vorzubeugen, die Gefahr bleibt. In einem Fire Prevention Training  der Erwachsenen sagte eine Frau: “Knowledge is good, but we have to be aware of our community and help each other.” Und damit hat sie wohl recht.

Dienstag, 26. März 2013

Blog-Exkurs



Den Schein wahren – Facebook, iPhone, Jutebeutel

#moraldisastersofourgeneration 


Facebook hat das Design der Chronik verändert. Einfach so, von heute auf morgen. Na toll, denke ich mir und mich überfällt vom einen auf den anderen Moment ein Anflug von Wut. Ich schmeiße Google an und gebe „neues chronik design facebook“ ein. Ich lese, was ich eigentlich schon längst sehen kann. Facebook führt ein neues Design ein, ohne großartig jemanden zu fragen. Ich fühle mich subtil manipuliert. Nun überfällt mich die große Lust, einen dieser Artikel auf meiner Chronik zu posten. Sowas wie „scheiß facebook“ darunter zu schreiben, denn mir gefällt weder das Design noch, dass mich niemand gefragt hat, ob ich es haben möchte. Plötzlich wird mir bewusst, wie verquert mein Gedankengang ist. Ich poste einen Artikel bei Facebook, um Facebook zu kritisieren? Wir nehmen Facebook als öffentlichen Raum wahr, als Diskussionsforum. Dabei ist das soziale Onlinenetzwerk vor allem ein Unternehmen, welches Millionen von Dollar Umsatz jährlich einfährt. Auch wenn unsere Wahrnehmung eine andere ist und wir stolz darauf sind, wie angeblich eine ganze Revolution im Norden Afrikas ausgelöst wurde mithilfe unserer „Likes“, ist Facebook ein geschlossener Raum, ein so gesehen kleiner Zirkel der Menschheit. Öffentliches Gut wird hier genommen und eingesperrt in einem Käfig wirtschaftlicher Interessen. Wir können Facebook munter kritisieren, aber wir haben letztlich doch kein Recht uns zu beschweren. Das soziale Netzwerk macht die Generation „Digital Natives“, die glaubt, mit ihren „Likes“ so viel auszurichten, die fröhlich ihre Meinung twittert, Piraten wählt und für Internetdemokratie steht, zu Sklaven eines moralischen Desasters, welches weit größere Ausmaße hat, als es zunächst scheint. Da postet ein Internetaktivist eine Online-Petition zur Verhinderung der Zensur in China. Dabei lautet doch erst einmal die Frage, inwieweit Facebook selbst Zensur ist. Kann freie Meinungsäußerung funktionieren, wenn sie in einem nicht öffentlichen Raum stattfindet? 
"Be the change" - Ein moralisches Desaster?
Diese Frage entfachte zuletzt der Radiomoderator Jürgen Domian, dessen kritische Worte zur Papstwahl von Facebook entfernt wurden. Ein Aufschrei ging durch das Netz, man witterte Zensur. Aber man witterte falsch, denn Zensur ist definiert als politisches Instrument zur Kontrolle der Medien und da wir in einem System leben, welches die politische Kontrolle der Wirtschaft weitestgehend nicht zulässt, können wir uns Zensur bei Facebook abschminken. Was unserer Generation hier fehlt, ist der Sinn für die Realität. Wir befinden uns in einem dualistischen Konfliktfeld, welches uns nicht nur täglich bei Facebook begegnet, sondern in allen Lebensbereichen. Wir posten Online-Petitionen für mehr Menschenrechte mit unserem iPhone – obwohl wir wissen, dass Apple unter teilweise menschenverachtenden Bedingungen produzieren lässt. Wir kaufen Bio-Schinken bei Aldi – obwohl wir wissen, dass auch Bio-Fleischproduktion den Klimawandel vorantreibt. Wir tragen unsere Jutebeutel als politisches Statement – und lassen uns dennoch unsere Konsumgüter in Plastiktüten stecken. Wir kaufen grün, wählen grün und essen grün. Wir versuchen ständig unser Gewissen zu entlasten und verdrängen, dass wir im Prinzip nur den Schein einer Generation aufrechterhalten, die so tut als würde sie etwas ändern. Wir sind weder kompromisslos noch handeln wir konsequent. Alles was wir machen ist den Schein wahren. Wir lassen uns entfremden und sind doch irgendwie machtlos dagegen. Wie man es macht, man macht es falsch. Die westliche Gesellschaft steht an einem Scheideweg: Technologie wird umweltfreundlich, Fleisch wird aus Soja hergestellt, Energie effizienter genutzt und Autos fahren mir Biogas. Ach ja, und Yoga kann man nun auch außerhalb von Indien machen, am besten in Berlin Kreuzberg. Aber hier soll es nicht um Klischees gehen, nicht um Hipster und nicht um Rhabarber-Limonade. Das ist zu klein gedacht. Es geht um die fundamentale Frage, wie wir leben wollen. Wir als Generation, wir als Individuum. Wie können wir der zunehmenden Entfremdung Einhalt gebieten? Innovation schön und gut, aber es geht doch immer in eine Richtung: Das Konzept heißt immer noch Wachstum, Fortschritt, Gewinn. Wir sollten uns in Verzicht üben, uns mehr Zeit lassen, mehr unser Gehirn einschalten. Gerade sehe ich einen neuen Post auf Facebook: „Be the change you want to see in the world“ steht da. Ein schöner Satz – und er wahrt so wunderbar den Schein.

Freitag, 22. März 2013

Zeit für Kraniche

Sieben Monate Ausland. Drei Monate to go.

Gefühlt können Sekunden zu Stunden werden und Monate wie Stunden vergehen. Wenn ich eines während meiner Zeit in Thailand gelernt habe, dann ist es, wie relativ Zeit sein kann, wie unfassbar sie ist.

"Licht an alle Fenster auf. Ich bin raus." 

Rückblick. Vorschau. Im Moment kreisen meine Gedanken sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft. Was habe ich alles erlebt? Was habe ich gelernt und was nehme ich mit nach Hause? Habe ich mich verändert? Aber auch: Wo will ich hin? Was erwartet mich, wenn ich zurückgehe?

"Bringt nichts zu verkrampfen bis die Maschinen dampfen."

Augenblick. Bei all den vielen Gedanken ist der Augenblick doch der Zeitpunkt, den wir genießen sollten. Der Moment, die einzelne Sekunde. Denn jede einzelne ist kostbar. Sie werden zu Erinnerungen, die mich wach halten, mich glücklich stimmen. Kreislauf.

"Ich such nicht mehr und finde nur."

Lernen. Leben. Weiterkommen.

Fehler. Einsehen. Vergeben.

Weiterkommen.

Gedanken. Bläst man einen Luftballon auf, wird er rund und schön. Er fliegt durch die Luft, frei und rund und schön. Doch bei zu viel Druck platzt er, einfach so.

"Und was ich gelernt hab ist entspannt zu bleiben."  

Gedanken. Träume.

Ein Augenblick und alles kann zerbrechen. Eine Sekunde kann so glücklich machen. Eine Minute kann eine Ewigkeit sein. Eine Stunde wie ein ganzes Jahr vergehen.

"Das Leben ist zu kurz und viel mehr als in Ordnung."

Lebenszeit.
Mutzeit.
Freudenzeit.
Trauerzeit.

Zeit für Freunde.
Zeit für Familie.
Zeit für Mütter.
Zeit für Väter.
Zeit für Großväter.

Zeit mit Großmüttern.

Zeit nur für mich.

"Bei absolutem Wetter in Sonnenfarben leuchtet auch Kaputtes wie die Auslage."

Zeit ist ein Fenster, das uns Einblick gibt in die Unendlichkeit des Lebens.

Wir können sie nicht fassbar machen. Und doch bestimmt sie unser ganzes Leben, jeden Tag und jede Stunde. Wohin wir gehen und woher wir kommen. Die Zeit wird es wissen. Denn sie ist unser größtes Geheimnis.


Die Zitate sind aus Bosse's wunderschönem Lied "Kraniche". 

 











Montag, 4. Februar 2013

Sorgenfreie Stunden - Aktivitäten für und mit Kindern im Camp


Bunte Gesichter!
Es ist 6 Uhr in der Früh als ich auf mein Fahrrad steige und zum Office radel. Zu dieser Zeit ist es in Mae Sot noch recht ruhig und vor allem noch angenehm kühl. Ich beobachte nur einige junge Mönche am Straßenrand, die Gaben von Menschen entlang der Straße entgegennehmen und genieße die frische Morgenluft. Heute geht es nach Mae La Camp, denn es ist Friendship Day. Auf der rund einstündigen Fahrt ins Camp genieße ich die Landschaft, die sich seit meiner Ankunft im August sehr verändert hat. Der Mais ist geerntet, das saftige Grün ist von den Feldern gewichen und hat sich zu bräunlichen Tönen gewandelt. Schließlich passieren wir den Check-Point und man öffnet uns das Tor zum Camp. Wir parken das Auto und werden von einigen COERR-Mitarbeitern aus dem Camp begrüßt. Nun müssen wir erst einmal bergauf zu einer der Kirchen laufen, wo der heutige Friendship Day  stattfinden soll. Inzwischen empfinde ich viele Dinge hier im Camp anders als zu Beginn meines Aufenthaltes– während ich mich am Anfang von der Dichte der Hütten bedrängt 
Camp-Staff und Office-Staff
fühlte, die Luft als stickig empfand und mich die Blicke der Menschen irritierten, haben sich nun meine Sinne beruhigt. Ins Camp zu fahren macht mir immer Spaß, denn man begegnet hier den Menschen direkt und weiß wenn man zurück fährt wieder, für wen und für was man hier vor Ort eigentlich arbeitet. Im Office-Alltag geht dieses Bewusstsein zwischen Meetings und Report-Schreiben manchmal total verloren. Da es heftig geregnet hat in den letzten Tagen sind die Wege rutschig und der Aufstieg zur Kirche mühsam. Wir schleppen Gitarren, Bälle, Farbeimer und allerhand andere Dinge mit uns mit, die wir für unsere activities brauchen werden. Der Friendship Day soll Kindern im Camp die Möglichkeit bieten, sich einen Tag lang mit dem Thema Freundschaft auseinander zu setzen und ihnen bewusst machen, was ein respektvoller Umgang miteinander für die Gemeinschaft wert sein kann. 
Abenteuer-Parcours
Eine Verschnaufpause bekommen wir an der Kirche angekommen nicht, denn es warten bereits rund 150 Kinder in der bunt geschmückten Halle auf uns. Bedächtig und neugierig sitzen sie auf dem Boden und warten gespannt darauf, was sie erwartet. Wie immer beantworte ich die vielen neugierigen Blicke mit einem breiten Lächeln. Inzwischen kennen mich aber die meisten Camp-Mitarbeiter von COERR und ich freue mich, meine Übersetzerin für diesen Tag in der Horde Menschen schnell zu entdecken. Alle gemeinsam beginnen wir den Friendship Day mit einem Morgengebet und einigen Aufwärm-Spielen, die viel Spaß machen und immer gut sind, um das Eis zu brechen. Anschließend erlernen wir ein Karen-Lied über Freundschaft und einen kleinen Tanz, ehe einige der Kinder auf die Bühne gerufen werden und erzählen sollen, warum ihnen Freundschaft wichtig ist. „Damit man jemanden zum Spielen hat!“ – das ist der treffende Satz für die kommenden Stunden. Drei Spiele-Stationen sollen die Kinder ermuntern, sich auf spielerische Art mit dem Thema Freundschaft auseinanderzusetzen. Es geht um Teamwork, ein gutes  Miteinander und Vertrauen. Heute wird miteinander und nicht gegeneinander gespielt. Welches Team schafft es, die meisten Bälle in die Löcher am Boden zu kicken? Wer hilft sich am besten gegenseitig, den Abenteuer-Parcours zu durchqueren? Und welche Gruppe kann sich genügend konzentrieren, um die Gummibänder mit Strohhalmen ohne Hände weiterzureichen? Bis zum Nachmittag hört man wilde Rufe und jede Menge Lachen auf dem Gelände rund um die Kirche. Vor allem als wir mit einem großen Topf Farbe herumgehen und sich alle wilde Bemalungen in die Gesichter schmieren können, ist das Gelächter riesig. Nachdem das große Spektakel vorbei ist, 
Spiel und Spaß mit Bällen
versammeln wir uns noch einmal in der großen Halle, um gemeinsam zu singen und den Tag ausklingen zu lassen. Nass geschwitzt und müde machen wir und unsere farbenfrohen Gesichter uns anschließend wieder auf den Weg nach unten, um den Heimweg anzutreten. Während heute Morgen noch alle bedächtig dagesessen haben, lassen wir nun eine Horde Kinder hinter uns, die grölend und lachend vor der großen Halle herumtollt. Und irgendwie hat man das Gefühl, mit ein paar simplen Spielen, einer Gitarre und einigen Gedanken zum Thema Freundschaft ein Stück Sorgenfreiheit in den manchmal doch recht tristen Camp-Alltag gebracht zu haben. 

Freitag, 9. November 2012

2 Monate Thailand – vom Alltag, burmesischen Kochkünsten und Fahrradtouren durch alte Ruinen…



Immer positiv denken
Nach vielen Wochen Blog-Abstinenz ist es wohl langsam an der Zeit, sich nochmal mit ein paar Neuigkeiten zu melden. In manchen Momenten kann ich es nicht glauben, dass ich nun über zwei Monate hier in Mae Sot lebe. Zwei Monate, das bedeutet, an einem komischen Punkt zu stehen, an dem die Grenze zwischen Alltag und dem tollen Gefühl, dass alles so neu und anders ist, verschwimmt. Es bedeutet, dass man sich selber erlaubt, bestimmte kulturelle Aspekte schlichtweg nervig zu finden und nicht mehr den Anspruch hat, sich auf alles einzulassen. Es bedeutet Ungeduld und die Frage: „Was zum Kuckuck mache ich hier eigentlich?“. Es heißt das erste Heimweh nach Gewohnheiten von zu Hause zu haben (einen herbstlichen Apfelkuchen backen, Kastanien sammeln, Regenspaziergänge am Meer… warum beschwert ihr euch alle über den Herbst?). Aber auf der anderen Seite bedeutet es auch einen gewissen Stolz auf den „Status Alltag“ zu haben, denn das heißt auch, in der anderen Kultur angekommen zu sein, sich eventuell sogar ein Stück „integriert“ zu haben – ein großes Wort! Die letzten Wochen waren von so einigen Höhen, und Tiefen gekennzeichnet, da sich die Aufgabenfindung und die Kommunikation auf der Arbeit als komplizierter als gedacht herausgestellt haben. Wer hat aber auch behauptet, dass es einfach werden würde als Freiwillige in Thailand zu arbeiten? Ich möchte mich also gar nicht lange beschweren. Bei allen Höhen und Tiefen versuche ich einfach immer wieder das Positive in den Vordergrund zu rücken. Zum Beispiel all die Erlebnisse, die meine Freizeit hier prägen oder meinen interessanten Wohnort…

Bunte Vielfalt in Mae Sot 

Auf dem Markt
Hier in Mae Sot treffen Burma und Thailand zusammen: Die Grenznähe macht Mae Sot zu einem Einwanderungsort für Migranten aus Burma. Längst nicht alle von ihnen sind offiziell erfasst. Viele der Einwanderer leben illegal in Thailand und nutzen die Chance hier eine Arbeit zu finden oder geschützt von der politischen Situation ihres Heimatlandes zu leben. Dafür setzten sie sich aber auch der Gefahr aus, als Illegale entdeckt zu werden. Zu den Einwanderern, von denen viele einer der ethnischen Minderheiten des Vielvölkerstaats Burma angehören, kommen natürlich Thais sowie Chinesen und eine nicht unbeträchtliche Anzahl „Westler“, von denen die meisten bei den im Ort ansässigen NGOs arbeiten. Diese Mischung unterschiedlicher Kulturen prägt das Stadtbild und macht Mae Sot zu einem bunten Entdeckungsort. Die Stadt bietet auch eingeschworenen „Westlern“ ein recht annehmliches Dasein. Es gibt Coffee Shops, einen großen Tesco-Supermarkt und Dunkin Donut. Westliche Einflüsse – auch das ist Thailand. Auch wenn ein Donut von Zeit zu Zeit ein netter Genuss ist, so ist es doch vor allem spannend, das Fremde zu entdecken. Nach über zwei Monaten nimmt man die vielen Eigenarten und Besonderheiten der Stadt gar nicht mehr so richtig wahr. Überall reihen sich kleine Garküchen aneinander, durch die Straßen drängen sich Motorroller, mit Gemüse und Menschen vollgeladene Pick-Up-Trucks und Fahrräder und überall dazwischen streunen Hunde (die mich regelmäßig in den Wahnsinn treiben). Auf dem burmesischen Markt gibt es neben Schlangen, Schildkröten und Ratten natürlich die asientypischen frittierten Insekten zu erstehen. Die Marktfrauen verkaufen an ihren Ständen Berge an frischem Gemüse, Fleisch, Haushaltsgegenstände, Kosmetik, Stoffe.  Die meisten der Frauen sind aus Burma  - sie tragen lange Röcke aus bunten Stoffen und haben Thanaka auf den Wangen, eine gelbliche Paste, die vor der Sonne schützen und das Gesicht kühlen soll. Nach zwei Monaten bewegt man sich recht sicher durch das alltägliche Chaos und hat sich an die Dinge, die einen umgeben, längst gewöhnt. Es gibt viele kleine Besonderheiten, dich mich immer wieder sehr glücklich stimmen. Es sind die Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern, anderen Kulturen. Es sind die beiden Koreaner, die doch tatsächlich aus Gangnam kommen oder der Burmese, der eine Bar eröffnet hat.  Man begegnet sich an unterschiedlichen Orten, abends auf ein Bier oder am Samstagmorgen auf einen Kaffee – und erzählt!  Es ist Alltag, der sich aber doch jeden Tag neu definiert. 

So schmeckt Burma

Da müssen alle Hände ran - Mandalay Nudelsalat...
Mandalay Nudelsalat & Kartoffelknödel :-)
Stolz auf das Menü!
In Mae Sot kann man Burma kennenlernen, ohne über die Grenze zu gehen. Also stürzen wir uns einen Samstag lang in die burmesische Esskultur und machen einen Kochkurs. Wir werden von zwei wunderbaren Menschen, Mo Mo and Bo Bo, angeleitet, die uns in die Geheimnisse der burmesischen Küche einweisen. Nachdem wir uns aus dem kleinen Kochbuch ein Menü zusammengestellt haben, geht es zuerst einmal mit drei Körben auf den Markt zum Einkaufen. Wir haben uns für ein Kürbiscurry, gefüllte Kartoffelknödel, Mandalay Nudelsalat und einen Limetten-Basilikum-Drink entschieden. So richtig viel können wir uns darunter noch nicht vorstellen, deswegen steigt die Spannung je voller unsere Körbe werden. Die Mittagshitze auf dem Markt macht uns zu schaffen, deswegen haben wir uns eine Pause in einem der burmesischen Tea Shops wohl verdient. In Burma gibt es eine ausgeprägte Teekultur – wohl ein Überbleibsel aus englischen Kolonialzeiten. Man trinkt starken schwarzen Tee mit süßer Milch und Honig. Nach unserer kleinen Pause geht es zurück und das große Kochen beginnt. Für die nächsten zwei Stunden wird geschnibbelt und geschnitten, gedünstet und gebraten. Währenddessen lernen wir auch viele interessante Fakten über die Esskultur in Burma kennen, die sehr vielseitig ist. Im Norden Burmas ist das Essen eher durch die chinesische Küche geprägt, im  Westen findet man dagegen zum Beispiel viele indische Einflüsse. Das Volk der Karen ist vor allem für die Zubereitung von Currys bekannt. Kürbisse gibt es in Karen State (im Osten des Landes gelegen, an Thailand grenzend) im Überfluss und die Zubereitung von Curry ist sehr beliebt. Als Füllung für unsere Kartoffelknödel bereiten wir eine Masse aus Zwiebeln, Eiern, Kohl und Sojasauce zu und stopfen unsere selbstgeformten Knödel hiermit, ehe sie in heißem Öl frittiert werden. Nudeln kamen bereits im 18. Jahrhundert durch die Chinesen nach Burma. Vor allem in Regionen mit einer größeren chinesischen Population sind Nudeln sehr beliebt, allen voraus in Mandalay (der zweitgrößten Stadt Burmas, zentral in der Mitte des Landes gelegen), wo Nudeln noch traditionell aus Weizen oder Eiern hergestellt werden. Für unseren Nudelsalat verwenden wir Eiernudeln, die auf einer großen Platte mit den Händen mit vielen anderen Zutaten gemischt werden. Frittierte Tofu-Stücke, frische Sprossen, Zwiebeln, Kohl und Flaschenkürbisse werden zusammen mit Kichererbsenmehl, Koriander und Safran zu einem Salat verknetet. Basilikum gilt in Burma als sehr wertvoll für die Gesundheit und findet deswegen viel Verwendung in Gerichten. Vor allem in den städtischen Räumen in Burma erfreuen sich frisch zubereitete Kräuterdrinks großer Beliebtheit. Diesen Genuss testen wir an diesem Tag und bereiten aus Limettensaft und geschreddertem Basilikum sowie Wasser, Eis und ein wenig Zuckersirup einen erfrischenden Drink. Kochen macht Spaß, aber der viel bessere Part kommt erst danach: das Essen! Wer glaubt, die thailändische Küche sei fantastisch, der hat noch nie burmesisch gegessen. Zu Hause darf man sich bereits darauf freuen, denn dank unseres kleines Kochbüchleins werde ich auch im fernen Deutschland ein wenig burmesische Esskultur einführen können… ;-)

Sukhothai  -  Stadt der „Morgenröte der Glückseligkeit“  

Kokosnusspudding - das beste Frühstück!
Auch wenn ich meine Wochenenden in Mae Sot sehr liebe, war ich vor einigen Wochen froh, gemeinsam mit zwei amerikanischen Freundinnen das historische Sukhothai, circa 3 Stunden nord-östlich von Mae Sot gelegen, zu besuchen. Sukhothai – übersetzt Morgenröte der Glückseligkeit – ist die alte Hauptstadt des Königreiches Sukhothai und gilt als Wiege Thailands. Die Thai eroberten im Jahre 1238 eine Khmer-Siedlung, aus der das spätere Zentrum des Königreiches Sukhothai entstand, welches weite Teile des heutigen Thailand umfasste und bis ins 15. Jahrhundert hinein bestand. König Ramkhamhaeng entwickelte aus der Mon-Schrift das heutige Thai-Alphabet. Nach einer rasanten Busfahrt kommen wir spät am Abend in Sukhothai an und werden von einem freundlichen Thai auf dessen „Karren“ mit gefühltem 1PS-Motor zu unserem Gästehaus gebracht. Dort werden wir von einem älteren Herrn in einem gelben Morgenmantel und starkem italienischem Akzent empfangen. Paulo versorgt uns mit einem Zimmer und nach einem kleinen Abendbrot fallen wir auch schon in die Betten. Schließlich entdecken wir am nächsten Morgen erst die Schönheit unserer Unterkunft: Zu unserem Zimmer führt eine kleine Brücke, unter der sich Seerosen und kleine Frösche tummeln und der Weg zum Frühstück führt durch einen tropischen Garten mit bunten Vögeln und kleinen Oasen mit Hängematten und traditionell geschnitzten Sitzgelegenheiten aus Holz. Schon von weitem hören wir Paulo „Bon Giorno“ rufen und bekommen heute ein ganz besonderes Frühstück serviert: Es gibt frisch gebrühten grünen Tee, selbstgemachte Ananas-Marmelade sowie Kokosnusspudding vom lokalen Markt, der gemeinsam mit Honig und Bananen gegessen wird. Nach diesem Genuss machen wir uns auf den Weg und erkunden mit unseren Fahrrädern die Ruinen von Sukhothai. Zwischen kleinen Seen und grünen Wiesen finden sich riesige Buddha-Statuen und die Ruinen alter Tempelanlagen. Unseren Nachmittag verbringen wir anschließend an Paulo’s Pool :-). 
Mit dem Fahrrad durch die Felder

Doch am Abend brechen wir noch einmal auf und radeln in der wunderschönen Abendstimmung durch weite Reis- und Zuckerrohrfelder, zwischen denen immer wieder Reste alter Tempel auftauchen. Die Stimmung hat etwas Besinnliches und es tut gut, frische Landluft einzuatmen…ich fühle mich offiziell wie im Urlaub! Mit Untergang der Sonne entdecken wir die alten Ruinen auf’s Neue. Nun sind wir alleine mit den Buddhas, denn alle Touristen haben sich bereits zurückgezogen. Die Anlage erscheint nun für einige Stunden im Licht großer Scheinwerfer. Fast bekomme ich ein wenig Angst, denn es scheint tatsächlich so, als würde Buddha jeden Moment aus seiner tiefen Meditation erwachen… Nach unserem Abendessen (scharfe Kokosnusssuppe!) verkriechen wir uns auch schon in unsere Betten, denn am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen, um nicht den Sonnenaufgang zu verpassen. Gegen viertel nach fünf brechen wir mit unseren Fahrrädern auf und nehmen diesmal eine weite Route, die uns zu einem Aussichtspunkt bringen soll. Wieder fahren wir durch weite Reisfelder und es wird klar, womit Sukhothai seinen Namen verdient hat. Die Morgenröte gibt den alten Ruinen etwas Magisches und spätestens nach einer Stunde Radeln mit plattem Reifen und dem Besteigen von 200 Stufen, spüre ich Glückseligkeit. Aber es lohnt sich – denn der Blick über das Plateau, welches vom Berg sichtbar ist, ist wahnsinnig schön. Besinnt kehren wir also am Sonntagnachmittag zurück nach Mae Sot, welches nun unglaublich hektisch und laut wirkt. Aber schließlich kann man nun von Reisfeldern, Buddhas und Kokosnusspudding träumen… 

Ich hoffe, ich konnte euch allen ein wenig Einblick in mein Leben hier in Thailand geben. Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Herbst und schicke euch viele Sonnenstrahlen aus dem immer noch heißen Mae Sot. Oppan Gangnam Style! ;-) (Daran kommt man hier seit Wochen nicht vorbei…).