Die Flüchtlinge, die verteilt in
neun Lagern entlang der burmesisch-thailändischen Grenze leben, gehören
hauptsächlich dem Volk der Karen an. Die Karen sind ein Bergvolk, deren
Vorfahren aus China nach Südostasien eingewandert sind und vor allem im
südöstlichen Myanmar siedelten. Schätzungen zufolge gehören heute circa 7
Millionen Menschen den Karen an, damit sind sie eine große Bevölkerungsgruppe
im Vielvölkerstaat Myanmar. Davon leben rund 400 000 in Thailand. Die englische
Bezeichnung Karen (burmesisch: Kayin; thailändisch: Kariang oder Yang) ist ein
ethnologischer Sammelbegriff für verschiedene Untergruppen, deren kultureller
Hintergund sehr ähnlich ist. Die Karen sind ein sesshaftes Volk, deren
Tradition animistisch geprägt ist und zu der Ahnenkult, Geisterglaube und
tierische Opfergaben gehören. Um 1820 begannen amerikanische Baptisten mit der
Missionierung, sodass einige Elemente der ursprünglichen Tradition ausgerotten
wurden. Heute sind zwischen 30% und 40% der Karen Christen, der Rest ist dem
buddhistischen Glauben zugewandt.
Das Volk der
Karen hat eine brutale Vergangenheit, die durch den Versuch der systematischen
Ausrottung der Minderheit durch die Militärdiktatur von Myanmar geprägt ist und
deren Spuren sich bis in die Gegenwart ziehen. Der Kampf der Karen für ein
freies Leben ist einer der ältesten und längsten Bürgerkriege der Welt, der im
Januar diesen Jahres endlich im beginnenden Friedensprozess mündete. Die
massiven Verfolgungen begannen mit der Unabhängigkeit Myanmars 1948 (Myanmar
war zuvor Teil des britischen Kolonialreiches), spitzten sich unter der
Militärdikatur zu und erreichten zwischen den 70er und 90er Jahren ihren
Höhepunkt. Bereits im Jahr 1947 formte sich die Karen National Union (KNU), die
sich für einen eigenen Karen-Staat einsetzte. Nach blutigen
Auseinandersetzungen zwischen dem birmanischen Militär und den Karen bildete
sich die bewaffnete Rebellengruppe Karen National Liberation Army (KNLA). In
den 70er Jahren begann die systematische Vertreibung der Karen aus ihren
Heimatgebieten. Ermordung, Vertreibung, Zwangsarbeit und Vergewaltigungen waren
die Praktiken der ethnischen Säuberung. Die Karen flüchteten zu Tausenden über
die Grenze nach Thailand, wo sie bis heute in Camps leben. Doch
ein historisches Ereignis im Januar 2012 macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft:
Die burmesische Regierung schließt mit der KNU einen Waffenstillstand und
beendet damit die blutigen Auseinandersetzungen vorerst. Dieser erste Schritt
des Friedensprozesses gibt Hoffnung, löst aber nicht alle Probleme. Das Volk
der Karen ist traumatisert durch seine Vergangenheit und muss nun Wege
ergründen, einen Platz im "neuen Myanmar" zu finden.
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